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  labologo Winterthur, 15.12.09
   
  Oase eines wahren Märchens
 
christrose
«Die Legende der Christrose» wird in Käthi Mosers Märchenstube in Winterthur ebenso erzählt, wie klassische Märchen.
   
 

Kachelofen, Märchenbücher, Kerzenlicht. Mitten in Winterthur steht ein Haus, in dem sich alles ums Märchen dreht. Eine Oase, die Käthi Moser mit viel Liebe am Leben erhält.

Am siebten Dezember war es wieder so weit. Käthi Moser stellt sieben Weingläser und sieben Wassergläser bereit. Sie zündet um halb acht die sieben Kerzen an und begrüsst die Gäste, die zum Erzählabend gekommen sind. Die Stube ist voll, rund um den Kachelofen sitzen Leute, um die Geschichte zu hören. «Die Legende der Christrose» von Selma Lagerlöf steht auf dem Programm. Andrea Klapproth liest die Geschichte und Antipe da Stella begleitet sie mit der Querflöte. Eigentlich ein ungewöhnliches Programm für die Märchenstube, erklärt Käthi Moser. Meist sind bei ihr Märchenerzähler zu Gast. «Die Christrose ist aber eine Blume, die ich so gut mag, dass es auch mal eine vorgelesene Legende, statt eines frei erzählten Märchens sein darf», sagt sie.

Projekt Märchenbibliothek
Käthi Moser hat eine Ausbildung zur Märchenerzählerin gemacht und führt seit zwölf Jahren in ihrem Elternhaus an der Lettenstrasse die Märchenstube. Das Haus lebt immer am siebten des Monats richtig auf. In der restlichen Zeit benutzt es Moser als Büro. Eine Heilpraktikerin hat sich für manche Tage eingemietet und wenn jemand in Winterthur einen Märchenkurs macht, kann er hier übernachten. Beliebig vermieten möchte Käthi Moser das Haus aber nicht. «Dadurch, dass es im Haus zwischendurch ruhiger ist, entsteht eine ganz andere Atmosphäre», sagt sie. Wenn sie genügend Zeit hat, kann sie sich vorstellen, hier eine Märchenbibliothek einzurichten. Die Bücher dazu hat sie schon. Über 200 Bücher stehen im Regal, von «Eskimo Märchen», über «Pferdemärchen» bis «Märchen von Handwerkern».

Märchen für Erwachsene
Auf das Thema Märchen ist Käthi Moser durch ihre Tochter gekommen. Dass Märchen aber nicht nur Kindergeschichten sind, merkte sie schnell. «Ursprünglich sind Märchen für Erwachsene geschrieben worden», erklärt Käthi Moser. Früher seien Märchen die Geschichten gewesen, die man sich erzählt habe, weil es noch kein Radio und kein Fernsehen gab. «Es waren Geschichten aus dem Leben, die immer weitererzählt wurden», sagt Käthi Moser. Erst die Gebrüder Grimm hätten die Märchen beschönigt und moralisiert. «Märchen sind nicht immer nur liebenswürdig und brav, aber das Leben ist dies ja auch nicht.» Und weil die Märchen aus dem Leben kommen und so viel darüber erzählen, tun sie auch den Erwachsenen gut, ist Käthi Moser überzeugt. «Sie haben etwas sehr Heilsames an sich» und Märchen seien kein alter Zopf, sondern würden durchaus im Trend liegen. Es gibt Märchenseminare, Kurse zu Märchen und Tanz, Märchen und Spiel, Märchen und Theater und vieles mehr. Auch in der Psychotherapie wird mit Märchen gearbeitet. Käthi Moser vergleicht Märchen mit Traumbildern, da sie auf ein Problem hindeuten können und helfen, darüber zu reden. «Ich habe dies selbst erlebt mit einem Schüler, der nicht gesprochen hat und der durch die Märchen wieder angefangen hat zu reden», erzählt Käthi Moser.

Kachelofen-Stimmung
Wie sehr Käthi Moser die Märchen mag, zeigt sich in jeder Ecke im alten, aber gut renovierten Haus. Weisse Tauben aus Styropor und Federn sitzen auf der Garderobe und im Wohnzimmer, Marionettenfiguren sind aufgestellt, viele kleine Kerzen bringen eine gemütliche Stimmung. Der grosse Kachelofen, den Käthi Moser einbauen liess, «weil er sich so wunderbar zum Geschichtenerzählen eignet», wärmt den Raum. Je nach Anlass dekoriert sie die Märchenstube anders. Heute hat sie sieben Christrosen besorgt, da es um die Legende dieser Blume geht.
Und die Leute lassen sich gern verzaubern. Sie begrüssen sich wie eine grosse Familie und stellen sich mit Namen vor. Sie «wer-weissen» darüber, ob der Hexenbesen in der Ecke wohl das Flugbrevet schon hat. Nach der Geschichte trinken sie zusammen Wein und Tee, den Käthi Moser bereitgestellt hat. Und natürlich bringt sie noch mehr als die sieben Gläser aus der Küche, denn es sind mehr als sieben Besucher, die in die Märchenstube kommen, wenn das Kalenderblatt die magische Märchenzahl Sieben zeigt.

 

Lena Sorg


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