Presseberichte
 
  wWinterthur 2007
   
 

Märchenstube bald 10-jährig

 

Seit fast einem Jahrzehnt versammeln sich jeweils am 7. des Monats die unterschiedlichsten Menschen, um in der Wülflinger Märchenstube den Erzählungen am Kachelofen zu lauschen. web
Das Haus an der Lettenstrasse liegt im Grünen. In den Sommermonaten ver- strömen die alten Bäume eine magische Kühle und locken zum Aufenthalt im ver- träumten Garten. Ein Ort wie geschaffen für Märchen! Doch mit der klassischen «Märchentante» aus der Kinderzeit haben die Erzählerinnen - und Erzähler - wenig gemein. Zwar kommen die Kinder an den Nachmittagen nicht zu kurz, aber die Abende gehören den Erwachsenen. Es sind nicht wenige, aus allen Schichten der Bevölkerung, die sich mit den Zauberworten «Es war einmal ...», in die Welt der ur- alten Symbolsprache entführen lassen. Ursprünglich waren Märchen nicht bloss «Märchen», sondern Lebenshilfen in Form von Geschichten, die die Erwachsenen sich erzählten und an die nächste Generation weiter gaben. Niemand wäre auf die Idee gekommen, Märchen seien für Kinder bestimmt, bis im gelehrten 19. Jh. die Gebrüder Grimm das Erzähl- gut systematisch erforschten, ordneten und überarbeiteten - und so nebenbei die Grundlagen der modernen Germanistik schufen!

Ein Haus für Märchen
Dass Wulfilo gerade jetzt über uns be- richten will, ist ein eigenartiger Zufall», sagt Käthi Moser-Thomi zur Begrüssung, «wir feiern nämlich im September 2008 unser zehnjähriges Bestehen». Der Raum, der als Märchenstube dient, wirkt hell und leicht, der Kachelofen mit der Sitzbank lädt zum Erzählen geradezu ein. Doch wie kam es zur nicht alltäglichen Idee, ein ganzes Haus dem Thema Märchen zu widmen?
«Als wir vor bald zehn Jahren über die Zukunft unseres 90-jährigen Elternhauses entscheiden mussten», berichtet Käthi Moser, «fiel es mir schwer, den Ort loszu- lassen, wo ich meine Kindheit verbracht hatte». Damals hatte sie eine Ausbildung als Märchenerzählerin im Atelier von Elsa Hilty abgeschlossen. «Es war eine einmalige Gelegenheit, meinen Traum zu verwirklichen.» Sie wagte es und über- nahm das Haus, die Geschwister wurden ausbezahlt. Die Märchenstube öffnete am 20. September 1998 zum ersten Mal ihre Türen.

Märchen fürs Leben
Die Sieben ist eine magische Zahl im Märchen, eine der ältesten Symbol- zahlen überhaupt. Darum ist der 7. des Monats zum Erzählabend auserkoren worden. Käthi Moser lädt jeweils eine Erzählerin oder einen Erzähler zu einem bestimmten Thema ein. Geburt und Tod, Bewährungsproben, glückliche und unglückliche Liebe, hilfreiche Tiere und Pflanzen, Gestirne und Elemente, immer spiegeln die Motive die Ängste und Sehnsüchte der Menschen. Für Erzählstoff ist noch lange Zeit gesorgt! Käthi Moser organisiert auch Abende mit freiem Er- zählen. Wer Lust hat, kann sich auf den Kachelofen setzen und sein Lieblingsmärchen präsentieren.
01Der 7. Dezember ist dem Weihnachtsmärchen vom «vierten König» von Edzard Schaper gewidmet. Jedes Jahr im Januar ist Altmeisterin Sigrid Früh zu Gast. Die wohl berühmteste deutsche Märchenerzählerin erkannte als junge Frau die heilende Wirkung der Symbole. Seither sammelt und erzählt sie Märchen in ganz Europa, auch Kindern, aber vor allem Erwachsenen, Managern eben- so wie «Problemjugendlichen» oder Gefängnisinsassen. Am 7. Januar wird sie abends Märchen und Bräuche «zwischen Martini und Lichtmess» vorstellen. Am Nachmittag findet ein Seminar zum Thema «Märchenerzählen - kann man es lernen?» statt.

Neue Lösungen überdenken
Ein ganzes Haus für Märchen, eine Lebensaufgabe, die Käthi Moser grosses Engagement abverlangt. Um bestehen zu können, hat sie zeitweise als Sekundarlehrerin gearbeitet, zuerst zwei Stunden pro Woche; jetzt hat sie eine 80 Prozent- Stelle. Für Erzählabende verlangt sie einen Unkostenbeitrag von 20 Franken pro Person, Seminare kosten 50 Franken. Die Referenten müssen entschädigt werden, auch wenn viele treue Erzählerinnen und Erzähler bloss einen «Freundschafts- preis» verlangen. Heute stösst Käthi Moser trotz ihres Idealismus langsam an ihre finanziellen Grenzen. Im Jubiläumsjahr wird sie über neue Lösungen nachdenken. Wulfilo hofft und wünscht, dass der Zauberschlüssel an der Wand der Märchenstube zur richtigen Zeit die richtigen Türen öffnen wird.
Übrigens: Im oberen Stock des Hauses kann man auch wohnen. Eine Übernachtung kostet 50-70 Franken. Das Haus eignet sich gut für kleinere Feste in märchenhafter Umgebung.

 

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